Definition Kaufkraft

Die private Kaufkraft entspricht dem „verfügbaren Einkommen“, wie es das Statistische Bundesamt definiert. Sie bildet das steuerbereinigte Einkommen der Bevölkerung in Deutschland aus den unterschiedlichsten Einkommensquellen in Euro am Wohnort ab und spiegelt das zum Ausgeben oder Sparen zur Verfügung stehende Einkommen wider. Die Kaufkraft kann vereinfacht als die Summe aller Netto-Einkünfte privater Personen pro Region bezeichnet werden.

  • Kaufkraft in Deutschland

Entwicklung der Kaufkraft im Jahr 2022

Acxiom orientiert sich in der Analyse an der Gemeinschaftsdiagnose einiger deutscher Wirtschaftsinstitute1, die in ihrer Studie mit einer positiven Einkommensentwicklung in Deutschland rechnen. Neben der Überwindung der seit 2020 herrschenden pandemischen Ausnahmesituation mit einhergehender Lockerungspolitik und dem Wegfall der Einschränkungen im Jahr 2022 zeichnen sich Lohn- und Rentensteigerungen sowie höhere Transferleistungen für diesen Anstieg verantwortlich.

In der Realität wird die Zunahme der Einkommen durch die stark gestiegenen Verbraucherpreise – insbesondere im Bereich der Energie als Folge des Krieges in der Ukraine – komplett aufgehoben. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Inflationsrate im Juli 2022 bei 7,5 Prozent.2 Da in der gegenwärtigen Lage nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich die Verbraucherpreise abschwächen, ist für das gesamte Jahr mit einer realen Kaufkraft-Abnahme zu rechnen. Die Preissteigerungen werden durch die höheren Einkommen etwas abgemildert.

  • Kaufkraft in Deutschland

Bundesländer-Ranking: Bayern erneut das Bundesland mit der höchsten Kaufkraft

Im direkten Bundesländervergleich befindet sich, ebenso wie im Vorjahr, der Freistaat Bayern mit einer Kaufkraft von 27.075 Euro bzw. 108,1 Indexpunkten (Deutschland=100) auf Rang eins. Hamburg mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 27.002 Euro besetzt hinter Bayern den zweiten Platz, Baden-Württemberg folgt mit 26.761 Euro pro Kopf auf Rang drei. Anschließend folgen – allesamt noch über dem Bundesdurchschnitt von 25.044 Euro pro Kopf – Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Die übrigen zehn Bundesländer liegen unter dem bundesweiten Durchschnitt. Das Schlusslicht im Ranking bildet, wie im Jahr zuvor, Mecklenburg-Vorpommern mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 21.604 Euro und 86,3 Indexpunkten.

 

Kaufkraft der Bundesländer 2022

Bundesland Private Kaufkraft        pro Kopf (in €) Index
Bayern 27.075 108,1
Hamburg 27.002 107,8
Baden-Württemberg 26.761 106,9
Hessen 26.063 104,1
Rheinland-Pfalz 25.510 101,9
Schleswig-Holstein 25.297 101,0
Niedersachsen 24.800 99,0
Saarland 24.621 98,3
Nordrhein-Westfalen 24.403 97,4
Brandenburg 23.531 94,0
Berlin 22.815 91,1
Sachsen 22.157 88,5
Thüringen 22.026 87,9
Bremen 22.024 87,9
Sachsen-Anhalt 22.010 87,9
Mecklenburg-Vorpommern 21.604 86,3
Deutschland 25.044 100,0

 

Top 10-Ranking der kreisfreien Städte und Landkreise: Kreis Starnberg weiterhin auf dem ersten Rang, Böblingen neu dabei

An der Spitze des Rankings der 400 kreisfreien Städte und Landkreise steht der bayerische Kreis Starnberg mit 34.194 Euro Pro-Kopf-Einkommen und 136,5 Indexpunkten. Der Kreis München und der Hochtaunuskreis in Hessen besetzen mit 34.077 Euro und 32.337 Euro den zweiten und dritten Platz.

Wie auch in den letzten Jahren wird die Top 10 von Städten und Landkreisen aus Bayern geprägt: So sind, neben Starnberg und München, auch die bayerischen Kreise Ebersberg, Fürstenfeldbruck und Dachau vertreten.

Hinzu kommen aus der Region Frankfurt wieder der hessische Hochtaunus- und der Main-Taunus-Kreis sowie aus dem Nürnberger Raum die Stadt Erlangen. In das Ranking neu aufgestiegen ist der Kreis Böblingen aus dem Stuttgarter Speckgürtel. Dieser verdrängt den Kreis Erlangen-Höchstadt aus den Top 10.

 

Kaufkraft der Top 10 kreisfreien Städte und Landkreise 2022

Stadt / Landkreis Private Kaufkraft        pro Kopf (in €) Index
Starnberg 34.194 136,5
Kreis München 34.077 136,1
Hochtaunuskreis 32.162 129,1
München 32.162 128,4
Main-Taunus-Kreis 31.776 126,9
Ebersberg 31.611 126,2
Fürstenfeldbruck 30.772 122,9
Erlangen 30.005 119,8
Dachau 29.813 119,0
Böblingen 29.503 117,8

 

Ranking der Groß- und Mittelstädte: München hat die höchste Kaufkraft

Die Großstadt München führt mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 32.162 Euro und 128,4 Indexpunkten das Ranking der Groß- und Mittelstädte mit über 50.000 Einwohnern an.3 Auf den weiteren Spitzenplätzen folgen Meerbusch aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 31.835 Euro und Bad Homburg v. d. Höhe aus Hessen mit 31.834 Euro.

Das Ende des Rankings setzt sich aus dem hessischen Gießen mit 19.675 Euro, Gelsenkirchen mit 19.537 Euro und Gronau (Westf.) mit 19.481 Euro Pro-Kopf-Einkommen zusammen.

Gemessen an der Zahl der Einwohner weist Berlin als größte deutsche Stadt eine Pro-Kopf-Kaufkraft von 22.815 Euro und 91,1 Indexpunkte auf. Für das rheinland-pfälzische Speyer, nach Einwohnerzahl die kleinste Stadt im Ranking, wird eine Pro-Kopf-Kaufkraft von 27.167 Euro prognostiziert. Mit einem Index von 108,5 liegt Speyer somit fast 10 Prozent über und Berlin fast 10 Prozent unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Hintergrund: Warum ist die Kaufkraft wichtig?

Die Kaufkraft ist ein wesentlicher Faktor bei der Identifizierung von Zielgruppen. Ob es nun um die Abschätzung geht, wie viele Personen in einer Gemeinde für den Kauf eines Finanzproduktes in Frage kommen, um die Ermittlung von Absatzpotenzialen für Tiefkühlprodukte im Einzugsgebiet eines Supermarktes, oder um die gezielte Bitte um Spenden bei wohlhabenden Personen – es gibt kaum einen Bereich in der Marktbearbeitung von Unternehmen, für den die Kaufkraft nicht wichtig ist.

Dabei geht es gar nicht immer darum, die Personen mit besonders hohen Einkommen zu finden. Je nach der Zielgruppe, die ein Unternehmen mit seinen Produkten ansprechen möchte, sind oft die mittleren oder unteren Einkommensklassen interessant. Ein Discounter sucht wahrscheinlich eher Gebiete mit diesen Einkommen für neue Standorte. Hochpreisige Luxuslabels bevorzugen dagegen Standorte in Gemeinden, wo eine Bevölkerung mit einer hohen Kaufkraft zu finden ist.

Auch Unternehmen ohne Verkaufsstandorte wie z.B. Onlinehändler, Telekommunikationsunternehmen oder Direktversicherer haben Zielgruppen mit unterschiedlicher Kaufkraft und können sie online und offline gezielt ansprechen. So gibt es z.B. auch online Ein-Euro-Shops, die ihre Plakatwerbung eher in kaufkraftschwächeren Gebieten platzieren oder für ihre Onlinewerbung die Tatsache nutzen können, dass Publisher Informationen zur Kaufkraft der Besucher von Webseiten bereitstellen. Somit haben die Interessenten bei der Kommunikation mit den Direktversicherer einen Vorteil, wenn sie deren Kaufkraft in der Planung berücksichtigen.

Für eine erfolgreiche Marktbearbeitung bieten die Kaufkraftdaten neben den weiteren Daten aus dem breiten Markdatenspektrum einen Wissensvorsprung und klaren Mehrwert. In Deutschland hat 2020 vor allem die Coronapandemie die Kaufkraft geprägt und zu einem Rückgang geführt. 2021 konnte Deutschland, trotz anhaltender Krise, eine positive Entwicklung verzeichnen. Im Jahr 2022 wird die positive Einkommensentwicklung durch die hohe Inflation getrübt.

Berechnungsbasis der Kaufkraft:

Mit dem Kaufkraftindex vergleicht Acxiom die Pro-Kopf-Einkommen einer Region mit dem durchschnittlichen Wert für ganz Deutschland. Die private Kaufkraft entspricht dem „verfügbaren Einkommen“, wie es das Statistische Bundesamt definiert. Sie bildet das steuerbereinigte Einkommen der Bevölkerung in Deutschland aus den unterschiedlichsten Einkommensquellen in Euro am Wohnort ab und spiegelt das zum Ausgeben oder Sparen zur Verfügung stehende Einkommen wider.

Die Berechnung basiert auf amtlich zur Verfügung gestellten Daten, z. B. von den Statistischen Ämtern. Die wichtigste Quelle sind die Informationen aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik. Aber auch Transferleistungen wie z. B. Renten und Pensionen, Arbeitslosengeld und vergleichsweise kleine Beträge aus BAföG und Elterngeld werden mit einbezogen. In aufwendigen Prüfverfahren werden die jeweils aktuellsten verfügbaren Daten plausibilisiert, anhand verschiedener Konjunkturprognosen für das aktuelle Jahr fortgeschrieben und zu einer Gesamtaussage integriert.

Acxiom regionalisiert jährlich die private Kaufkraft mit bewährten Berechnungsmethoden aus einer Vielzahl feinräumiger Informationen zu den relevanten Einkommensquellen, die u.a. vom Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht werden.

Um immer aktuelle Daten und relevante Änderungen aus den Bereichen Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Rente, Arbeitslosengeld und weiteren vergleichsweise kleineren Transfereinkommen (wie z.B. Hartz IV, Elterngeld, Wohngeld, Elterngeld usw.) zu berücksichtigen, analysiert Acxiom die regionale Kaufkraft einmal im Jahr mit den verfügbaren Statistiken. Als wichtigste Quelle dienen die Informationen aus der mittlerweile jährlich veröffentlichten Lohn- und Einkommensteuerstatistik.

In aufwändigen Prüfverfahren werden die verfügbaren Daten plausibilisiert, anhand verschiedener Konjunkturprognosen für das aktuelle Jahr fortgeschrieben und zu einer Gesamtaussage integriert. Die von Acxiom prognostizierte Kaufkraft stimmt auf Deutschland aggregiert gut mit der von deutschen Wirtschaftsinstituten veröffentlichten Zahl überein.

  • Kundengewinnung

    Kundengewinnung

    • Bestimmung von Zielgruppen und Zielgebieten
    • Direktmarketing und Steuerung lokaler Werbeaktivitäten
  • Markt- und Absatzplanung

    Markt- und Absatzplanung

    • Bestimmung von Marktpotenzialen
    • Zielgruppenspezifische Produktplanung
    • Gebietsplanung und Vertriebsnetzoptimierung
    • Absatzplanung und Vertriebscontrolling
  • Standortplanung und -bewertung

    Standortplanung und -bewertung

    • Infrastruktur-, Wettbewerbs- und Zentralitätsanalysen
    • Einzugsbereichsbewertung, Planung neuer Standorte
    • Analysen von Stärken und Schwächen einzelner Standorte
    • Potenzialbasierte Sortimentsplanung anhand einer produktspezifischen Kaufkraft