Rezeptfreie Arzneimittel: So medikamentiert sich Deutschland selbst

Posted by | May 30, 2016 | Presse | No Comments
  • Die Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie das Saarland geben im Vergleich am meisten Geld für rezeptfreie Arzneimittel aus
  • Die deutsche Stadt mit der höchsten OTC-Arzneimittelkaufkraft ist Regensburg, gefolgt von Hannover und München
  • Singles kaufen deutschlandweit mehr rezeptfreie Medikamente als Paare

München – 30. Mai 2016 – Rund 39 Millionen Konsumenten beziehen Produkte in der Apotheke, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren – der Markt für rezeptfreie Medikamente summiert sich in Deutschland auf über 5 Milliarden Euro. Acxiom Deutschland, ein führender Daten- und Targetingdienstleister, hat die Kaufkraft von Privathaushalten für rezeptfreie, apothekenpflichtige Medikamente (Over-The-Counter / OTC) – wie beispielsweise Aspirin, Rennie oder Ibuprofen – für ganz Deutschland neu ermittelt.

In der Untersuchung zeigt nicht nur die Höhe des Haushaltseinkommens, sondern auch die Höhe des Alters eine deutlich positive Korrelation mit der Menge an Ausgaben für rezeptfreie Medikamente. So geben Menschen unter 35 Jahren vergleichsweise eher wenig Geld dafür aus, Menschen über 70 hingegen überproportional viel. Dabei liegen die Ausgaben von Single-Haushalten (rund 7,80 Euro/Monat) bei einer Pro-Kopf-Betrachtung jedoch altersunabhängig über denen von Zweipersonen-Haushalten (13,40 Euro/Monat). Als interessanten Aspekt zur aktuellen Diskussion über den Facharztmangel ließ sich bei der Abgleichung der OTC-Arzneimittelkaufkraft mit der Ärztedichte in Deutschland übrigens kein Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit eines Arztes und der Erwerbsmenge freiverkäuflicher Arzneimittel feststellen.

Bundesländerranking

Im Bundesländerranking führen die Stadtstaaten. So liegt Hamburg auf dem ersten Platz, bei einer OTC-Arzneimittelkaufkraft von 65,25 Euro pro Kopf und mit knapp drei Euro vor Bremen. Grund hierfür ist die Konzentration an vergleichsweise einkommensstarken Haushalten im Vergleich zu ländlichen Gebieten. Im Städteranking sind übrigens weder Hamburg noch Bremen unter den ersten Fünf.

Die Werte im Mittelfeld befinden sich alle auf ähnlichem Niveau, lediglich in Berlin und in den neuen Bundesländern gibt es größere regionale Gefälle bezüglich der Kaufkraft für OTC-Produkte. Besonders auffällig sind hier Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo die OTC-Kaufkraft um rund ein Fünftel geringer ist als beim Spitzenreiter Hamburg.

Bundesland

OTC-Arzneimittelkaufkraft
pro Kopf / Jahr (in €)

OTC-Kaufkraft Index

Hamburg

65,25

112,73

Bremen

62,73

108,37

Saarland

60,63

104,75

Schleswig-Holstein

60,37

104,30

Niedersachsen

59,74

103,21

Nordrhein-Westfalen

58,95

101,85

Bayern

58,76

101,52

Hessen

58,49

101,05

Rheinland-Pfalz

57,88

99,99

Baden-Württemberg

57,53

99,39

Berlin

56,62

97,81

Sachsen

53,29

92,07

Sachsen-Anhalt

52,92

91,42

Thüringen

52,27

90,30

Mecklenburg-Vorpommern

52,01

89,86

Brandenburg

51,87

89,61

Die Hauptstadt Berlin belegt mit 56,62 Euro pro Kopf im Bundesländerranking einen der hinteren Plätze. Die von Acxiom erstellte Berlin-Karte zeigt trotzdem anschaulich, wie stark die OTC-Arzneimittelkaufkraft innerorts variieren kann.

Gründe hierfür sind vor allem die unterschiedliche Verteilung des Einkommens und die variierende Altersstruktur. Zur Verdeutlichung eignet sich etwa der Vergleich von zentralen Bezirken mit vorrangig junger Bevölkerung mit den traditionell reicheren (und älteren) Randbezirken. Solche mit überwiegend junger Bevölkerung, wie etwa Prenzlauer Berg (Index 90), wo trotz vieler einkommensstarker Haushalte der Alterseffekt überwiegt, haben eine signifikant geringere OTC-Arzneimittelkaufkraft als Bezirke wie Grunewald (Index 106).

Dort ist sowohl ein hoher Anteil an Menschen über 35 Jahren als auch an einkommensstarken Haushalten gegeben. Obwohl beide Faktoren relevant sind, ordnet sich das Einkommen für gewöhnlich dem Alter der Einwohner unter.

Gemeinderanking

Basierend auf den Messdaten von über 11.000 erfassten Städten und Gemeinden wurden jene zehn Großstädte ermittelt, die die höchste OTC-Arzneimittelkaufkraft aufweisen:

Stadt / Gemeinde

OTC-Arzneimittelkaufkraft
pro Kopf / Jahr (in €)

OTC-Kaufkraft Index

Regensburg

70,03

120,98

Hannover, Landeshauptstadt

67,73

117,00

München, Landeshauptstadt

66,49

114,87

Lübeck, Hansestadt

66,16

114,30

Braunschweig, Stadt

65,89

113,84

Würzburg

65,86

113,78

Hamburg, Freie und Hansestadt

65,25

112,73

Kiel, Landeshauptstadt

65,22

112,67

Heidelberg, Stadt

65,10

112,47

Kassel, documenta-Stadt

65,09

112,45

(Informationen zu weiteren Städten / Gemeinden und ihrem OTC-Kaufkraft Index auf Anfrage)

Obwohl Bayern im Bundesländerranking genau im Durchschnitt liegt, sind drei der zehn Städte mit der höchsten OTC-Arzneimittelkaufkraft dort verortet. Danach folgen Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein.

Im Gesamtvergleich mit allen Gemeinden rangiert die Stadt Bremen auf Platz 81 (Index 108,68), Berlin nur auf Platz 2559 (Index 97,81). Die Platzierungen lassen sich durch die Betrachtung des Einkommensdurchschnitts und der Altersstruktur nachvollziehen.

Ausgewiesene Daten:

Die erfasste Kennziffer OTC-Arzneimittelkaufkraft gibt den jährlichen Geldbetrag an, der je Gebietseinheit auf rezeptfreie, apothekenpflichtige Gesundheitsprodukte für private Haushalte entfällt.

Die OTC-Kaufkraft pro Kopf pro Jahr (in Euro) gibt die durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben in einer Gebietseinheit an.

Der OTC-Kaufkraft-Index (BRD=100) vergleicht die Pro-Kopf-Ausgaben einer Gebietseinheit mit dem durchschnittlichen Wert für ganz Deutschland. Ein Index unter 100 bedeutet niedrigere Pro-Kopf-Ausgaben als im Bundesdurchschnitt. Indexwerte über 100 kennzeichnen dagegen Gebietseinheiten mit höheren Pro-Kopf-Ausgaben als der bundesdeutsche Durchschnitt.