Neu-Isenburg, 5. November 2009: Aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage stagnieren im Jahr 2009 die steuerbereinigten Einkommen in Deutschland. Während von 2005 bis 2008 die Einkommen jährlich um durchschnittlich etwa 2,9% anstiegen, liegt das Kaufkraft-Volumen 2009 in Deutschland mit 1,565 Billionen EURO 2009 nicht höher als 2008.
Die private Kaufkraft von Acxiom entspricht dem "verfügbaren Einkommen", wie es das Statistische Bundesamt definiert und bildet das steuerbereinigte Einkommen der Bevölkerung in Deutschland aus unterschiedlichsten Einkommensquellen in Euro am Wohnort ab. Es findet kein Abgleich mit Warenkörben oder Mietspiegeln statt, so dass die Kaufkraft das zum Ausgeben zur Verfügung stehende Einkommen widerspiegelt, unabhängig davon, ob manche Ausgaben wie Miete oder Versicherungen schon vertraglich festgelegt oder durch Teuerungsraten höher oder niedriger sind.
2009 verfügt jeder Einwohner Deutschlands über durchschnittlich 19.143 EURO. Wie in den Vorjahren liegt aber auch 2009 die Kaufkraft in den alten Bundesländern deutlich höher als in den neuen Bundesländern. Eine Annäherung ist nur im Promille-Bereich zu erkennen. Während sich die durchschnittlichen Nettoeinkommen in den alten Bundesländern (ohne Berlin) im letzten Jahr von 19.933 EURO um 0,14% auf 19.906 EURO ganz leicht verringerten, stiegen sie in den Neuen Bundesländern (einschl. Berlin) von 16.067 EURO um 0,23% auf 16.104 EURO. Damit liegen sie weiterhin deutlich niedriger als die westdeutschen Einkommen.
Kaum Annäherung der ostdeutschen Bundesländer an westdeutsches Niveau.
Dies lässt sich auch beim Index beobachten. Der Kaufkraftindex vergleicht die Pro-Kopf-Einkommen einer Region mit dem durchschnittlichen Wert in ganz Deutschland. Ein Index von 100 entspricht dabei genau dem deutschlandweiten Mittel. Der Index der alten Bundesländer (ohne Berlin) sinkt minimal von 104,1 in 2008 auf 104 in 2009 und liegt damit weiterhin um 4 Indexpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die neuen Bundesländer (einschl. Berlin) steigern ihren Index um 0,2 Punkte von 83,9 auf 84,1 und bleiben somit weiterhin um rund 16% unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik. Der Abstand der alten Bundesländer (ohne Berlin) zu den die neuen Ländern (einschl. Berlin) verringert sich damit nur um 0,3 Punkte von 20,2 auf 19,9.
| Bundesland |
Kaufkraft in EURO 2009 |
| |
Insgesamt |
pro Kopf |
Index 2009 |
| Schleswig-Holstein |
56.023.723.966 |
19.701 |
102,9 |
| Hamburg |
34.952.046.547 |
20.204 |
105,5 |
| Niedersachsen |
149.872.880.816 |
18.900 |
98,7 |
| Bremen |
11.233.778.120 |
16.971 |
88,6 |
| Nordrhein-Westfalen |
345.853.468.907 |
19.285 |
100,7 |
| Hessen |
126.868.022.559 |
20.973; |
109,5 |
| Rheinland-Pfalz |
77.404.934.530 |
19.178 |
100,1 |
| Baden-Württemberg |
219.157.895.325 |
20.646 |
107,8 |
| Bayern |
260.696.159.309 |
20.801 |
108,6 |
| Saarland |
19.168.406.003 |
18.461 |
96,4 |
| Berlin |
56.433.343.011 |
16.782 |
87,6 |
| Brandenburg |
41.888.380.680 |
16.617 |
86,7 |
| Mecklenburg-Vorpommern |
25.407.295.010 |
15.204 |
79,4 |
| Sachsen |
66.826.139.381 |
16.007 |
83,6 |
| Sachsen-Anhalt |
37.564.480.140 |
15.638 |
81,6 |
| Thüringen |
35.950.325.398 |
15.861 |
82,8 |
Spitzenreiter im Bundesländer-Ranking bleibt weiterhin Hessen mit einem Index von 109,5 gefolgt von den südlichen Ländern Bayern und Baden-Württemberg mit 108,6 bzw. 107,8 Indexpunkten. Schlusslicht des Westens ist wie auch 2008 der Stadtstaat Bremen mit 88,6 Indexpunkten. Berlin und die ostdeutschen Flächenländer liegen alle am Ende der Rankingskala. Berlin und das umgebende Land Brandenburg weisen mit 87,6 bzw. 86,7 Punkten die höchsten Indexwerte Ostdeutschlands auf, gefolgt von Sachsen und Thüringen mit 83,6 bzw. 82,8 Punkten. Mit 79,4 Indexpunkten liegt Mecklenburg-Vorpommern allerdings immer noch unter 80 Punkten, so dass auch in diesem Jahr nicht alle deutschen Länder im Index über der 80er Marke liegen.

Kreis Starnberg hält seit Jahren die Spitzenreiterposition. Potsdam-Mittelmark schafft es als erster ostdeutscher Kreis in die kaufkraftstärkere Hälfte.
Wenn man die kreisfreien Städte und Landkreise in eine Rangfolge nach dem Kaufkraft-Index bringt, bleibt seit 2005 der absolute Spitzenreiter der bayerische Kreis Starnberg im „Speckgürtel“ von München. Mit einem Index von 153 liegt die Kaufkraft dort 53% über dem Bundesdurchschnitt. Auch auf Platz 2 gibt es gegenüber 2008 keine Veränderung. Der hessische Hochtaunuskreis hält diese Positon mit einem Index von 147. Auf Platz 3 steigt 2009 der Main-Taunus-Kreis mit einem Index von 143. Der Index des Vorjahresdritten Landkreis München sinkt ganz leicht von 141 auf 139. Damit erreicht er in diesem Jahr nur noch Platz 5, da der bayrische Landkreis Ebersberg von Platz 5 auf Platz 4 steigt.
Die Kaufkraftstärke der südlichen alten Bundesländer wird ebenso durch eine Betrachtung der 100 kaufkraftstärksten Kreise belegt. Unter ihnen befinden sich 37 Kreise aus Bayern und 20 aus Baden-Württemberg. 12 nordrhein-westfälische, 12 hessische sowie 8 rheinland-pfälzische Kreise repräsentieren die mittleren und westlichen Bundesländer. Der Norden Deutschlands wird von 7 Kreisen aus Niedersachsen und 4 Kreisen aus Schleswig-Holstein vertreten. Ostdeutsche Kreise finden sich nicht in der Gruppe der 100 kaufkraftstärksten Kreise. Als erster ostdeutscher Kreis liegt der Kreis Potsdam-Mittelmark mit einem Index von 97 auf Platz 203. Damit schafft es erstmals ein Landkreis aus dem Osten Deutschlands in die kaufkraftstärkere Hälfte der insgesamt 413 Kreise und kreisfreien Städte. Erst auf den Rangplätzen 246, 251 und 261 finden sich weitere ostdeutsche Landkreise, nämlich die brandenburgischen Kreise Dahme-Spreewald (Index 94), Potsdam (Index 94) und Oberhavel (Index 93).
Unter den 40 Kreisen mit dem geringsten Index finden sich indessen nur drei westdeutschen Kreise: das Bayerische Regen mit einem Index von 81 sowie Bremerhaven und der Eifelkreis-Bitburg-Prüm mit Indexwerten von 79 als Schlusslichter der westdeutschen Kreise. Ansonsten zählen jeweils 10 Kreise aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, 7 aus Sachsen-Anhalt, 6 aus Brandenburg sowie 4 Kreise aus Sachsen dazu. Das Schlusslicht im Ranking der Kreise bildet wie in den letzten beiden Jahren der Landkreis Demmin aus Mecklenburg-Vorpommern mit einem Index von 70.
Grünwald ist seit Jahren die kaufkraftstärkste Gemeinde.
Auf der Gemeindeebene zeigt sich ebenfalls die hohe Kaufkraftstärke der südlichen alten Bundesländer. Unter den 100 kaufkraftstärksten Gemeinden befinden sich 49 Gemeinden aus Bayern. Sehr deutlich wird die bayrische Dominanz bei Betrachtung der Spitzenplätze: Von den 20 kaufkraftstärksten Gemeinden liegen 11 in Bayern (Grünwald, Icking, Berg, Aystetten, Gräfelfing, Seeshaupt, Rottach-Egern, Pullach i. Isartal, Zorneding, Krailling, und Vaterstetten), 4 in Hessen (Königsstein im Taunus, Glashütten, Bad Soden am Taunus und Kronberg im Taunus), 3 in Schleswig-Holstein (Wohltorf, Krummesse, Großhansdorf) und jeweils 1 in Rheinland-Pfalz (Battenberg Pfalz) und Niedersachsen (Bendestorf). Der durchschnittliche Einwohner Grünwalds verfügt 2009 mit einem Nettoeinkommen von 48.229 EURO in etwa 2,5mal so viel Kaufkraft wie der durchschnittliche Einwohner Deutschlands.
München ist die kaufkraftstärkste Großstadt.
Unter den 11 Städten ab rund einer halben Million Einwohner nimmt München wie im Vorjahr den Spitzenplatz ein. Mit einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft von 25.567 EURO und einem Index von 134 liegt es weit vor den Städten Düsseldorf (durchschnittlich 22.907 EURO), Frankfurt am Main (durchschnittlich 22.559 EURO) und Stuttgart (durchschnittlich 21.546 EURO). Schlusslichter unter den Großstädten sind Bremen mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 17.372 EURO und einem Index von 91, Berlin mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 16.782 EURO und einem Index von 88, Duisburg mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 16.448 EURO und einem Index von 86 und Leipzig mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 15.976 EURO und einem Index von 83.
| Stadt |
Kaufkraft in EURO 2009 |
| |
insgesamt |
pro Kopf |
Index 2009 |
| München |
34.552.518.092 |
25.567 |
134 |
| Düsseldorf |
13.401.675.042 |
22.907 |
120 |
| Frankfurt am Main |
14.364.353.097 |
22.559 |
118 |
| Stuttgart |
12.778.290.196 |
21.546 |
113 |
| Köln |
20.628.038.718 |
20.686 |
108 |
| Hamburg |
34.952.046.547 |
20.204 |
106 |
| Hannover |
10.278.626.642 |
20.169 |
105 |
| Nürnberg |
9.786.966.137 |
19.824 |
104 |
| Essen |
11.069.780.523 |
18.998 |
99 |
| Dortmund |
10.484.416.012 |
17.921 |
94 |
| Dresden |
8.919.980.867 |
17.772 |
93 |
| Bremen |
9.504.901.468 |
17.372 |
91 |
| Berlin |
56.433.343.011 |
16.782 |
88 |
| Duisburg |
8.106.547.453 |
16.448 |
86 |
| Leipzig |
7.688.273.896 |
15.976 |
83 |
Berechnungsbasis
Als Marketingdienstleister für zahlreiche Kunden, unter anderem aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Telekommunikationsdienstleistungen und Einzelhandel, ermittelt Acxiom jährlich die regionalisierte Kaufkraft in Deutschland.
Die Berechnung basiert auf amtlich zur Verfügung gestellten Daten, z.B. von den Statistischen Bundesämtern. Die wichtigste Quelle sind die Informationen aus der Lohn- und Einkommsteuerstatistik. Aber auch Transferleistungen wie z.B. Renten und Pensionen, Arbeitslosengeld I und II bis hin zu vergleichsweise kleinen Beträgen aus BaFöG und Erziehungsgeld werden mit einbezogen. In aufwändigen Prüfverfahren werden die jeweils aktuellsten verfügbaren Daten plausibilisiert, anhand verschiedener Konjunkturprognosen für das aktuelle Jahr fortgeschrieben und zu einer Gesamtaussage integriert. Die zur Regionalisierung der Kaufkraft verwendeten Daten stammen aus Material, das vom Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellt wird.
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