Jeder Einwohner in Deutschland kann in diesem Jahr durchschnittlich 19.003 EURO für den privaten Konsum ausgeben. Gegenüber 2007 ist das eine Steigerung um 2,8%, gegenüber 2003 sogar um 13,0%. Damit wird das Kaufkraft-Volumen 2008 in Deutschland voraussichtlich bei 1,564 Billionen EURO liegen. Damit stehen hierzulande insgesamt 170 Milliarden Euro mehr für den Konsum zur Verfügung als vor fünf Jahren. Die Kaufkraft entspricht dem „verfügbaren Einkommen“, wie es das Statistische Bundesamt definiert. Dabei wird das Nettoeinkommen, das den Haushalten zur Verfügung steht, am Wohnort erfasst.
Im Vergleich zu 2003 fällt vor allem auf, dass sich die Kaufkraft in den neuen Bundesländern allmählich an die der alten Bundesländer annähert. Hier spiegelt sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit seit 2006 wieder. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt machte sich zwar in den alten Bundesländern schon früher durch eine Erhöhung der Kaufkraft in 2007 bemerkbar, in den neuen Ländern zeigt sie nun eine verspätete, dafür stärkere Wirkung.
Wärend sich die durchschnittlichen Nettoeinkommen in den alten Bundesländern (ohne Berlin) in den letzten 5 Jahren von 17.590 EURO um 12,9% auf 19.860 EURO erhöhten, stiegen sie in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) von 13.123 EURO um 17,6% auf 15.431 EURO. Damit liegen sie weiterhin deutlich niedriger als die westdeutschen Einkommen, aber der Abstand verringert sich. Dies zeigt auch der Index. Der Kaufkraftindex vergleicht die Pro-Kopf-Einkommen einer Region mit dem durchschnittlichen Wert in ganz Deutschland. Ein Index von 100 entspricht genau dem deutschlandweiten Mittel. Die neuen Länder liegen 2008 mit einem Index von 81,2 um 18,8% unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik. 2003 waren sie mit einem Index von 77,9 noch 22,1% vom Durchschnitt entfernt. Der Index der alten Länder blieb dagegen mit 104,5 stabil um 4,5% über dem Durchschnitt.
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Bundesland |
Kaufkraft 2008 |
Veränderung |
|
|
Index |
EURO pro Kopf |
EURO pro Kopf |
|
Schleswig-Holstein |
103,0 |
19.569,56 |
+11,7% |
|
Hamburg |
106,2 |
20.175,73 |
+5,9% |
|
Niedersachsen |
99,0 |
18.803,28 |
+14,5% |
|
Bremen |
85,2 |
16.183,06 |
-5,8% |
|
Nordrhein-Westfalen |
98,7 |
18.747,59 |
+5,0% |
|
Hessen |
111,5 |
21.178,61 |
+15,8% |
|
Rheinland-Pfalz |
100,8 |
19.153,63 |
+12,7% |
|
Baden-Württemberg |
110,0 |
20.898,34 |
+18,3% |
|
Bayern |
111,4 |
21.165,43 |
+19,5% |
|
Saarland |
97,3 |
18.489,96 |
+16,0% |
|
Berlin |
86,2 |
16.386,34 |
-3,1% |
|
Brandenburg |
83,6 |
15.877,57 |
+20,8% |
|
Mecklenburg-Vorp. |
77,2 |
14.672,59 |
+16,2% |
|
Sachsen |
81,8 |
15.551,59 |
+17,4% |
|
Sachsen-Anhalt |
79,6 |
15.120,26 |
+13,9% |
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Thüringen |
82,1 |
15.602,64 |
+19,3% |
Hier können Sie den Index der Kaufkraft 2008 für Deutschland für eine Gemeinde Ihrer Wahl abrufen >> Berlin bleibt „arm, aber sexy“.Berlin, das hier gesondert betrachtet wird, setzt dagegen seinen seit 2003 bestehenden sinkenden Trend fort und liegt inzwischen mit einem Index von 86,2 um fast 14% unter dem Bundesschnitt. Wowereits Aussage, seine Stadt sei arm, aber sexy, trifft also auch in 2008 noch zu. Von einer ähnlichen Verringerung der Kaufkraft sind auch Bremen und Hamburg betroffen, wobei allerdings Hamburg aufgrund des deutlich höheren Ausgangsniveaus immer noch auf Platz 4 im Ranking der Bundesländer liegt.
Im Vergleich der Bundesländer hat Bayern mit 6,1 Indexpunkten auf 111,4 die größte Steigerung des Pro-Kopf-Index in den letzten 5 Jahren erfahren. Es liegt damit im Bundeslandranking fast gleichauf mit Spitzenreiter Hessen (Index 111,5). Diesen beiden Bundesländern folgt wie 2007 auch in diesem Jahr Baden-Württemberg auf Platz 3.
Die Ostdeutschen Flächenländer liegen alle am Ende der Rankingskala, obwohl sich in allen der Index zumindest leicht gesteigert hat. Den höchsten Zuwachs weist Brandenburg mit einer Steigerung um 5,4 Indexpunkte auf.
Die Kaufkraft geht in den kreisfreien Städten zurück und steigt in den Landkreisen.Auf Kreisebene zeigt sich, dass vor allem Einwohner von kreisfreien Städten keinen so deutlichen Kaufkraftvorsprung vor den Einwohnern anderer Kreise mehr haben wie noch 2003. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die seit 2005 in Kraft getretene Arbeitsmarktreform Hartz IV betrifft die aufgrund der in der Regel höheren Arbeitslosendichte große Städte stärker. Gleichzeitig wird diese Entwicklung durch lokale Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt modifiziert und durch die regional unterschiedlich ausgeprägte Tendenz, mit steigendem Einkommen ein Häuschen in einem Vorort zu beziehen.
Am stärksten zurückgefallen ist die Stadt Essen. Wurde für die Metropole im Ruhrgebiet vor fünf Jahren noch ein Index über dem Bundesdurchschnitt ermittelt, so ging er um 17,5 Prozentpunkte zurück, und liegt heute mit 95,2 um 4,8% darunter.
Neben Essen gehören mit Bremen, Dortmund und Köln auch andere Großstädte ab einer halben Million Einwohnern zu den Städten mit starkem Kaufkraftrückgang. Aber auch kreisfreie Städten mit Einwohnerzahlen unter einer halben Million folgen diesem Trend. In 84 der 116 kreisfreien Städte sinkt der Index im Vergleich zu 2003, 28 weisen sogar einen Rückgang von mehr als 10 Indexpunkten auf. So sinkt z.B. der Index in Bielefeld von 109,8 auf 94,3, in Pirmasens von102,2 auf 87,0. Dagegen können 221 der 313 Landkreise einen gestiegenen Index vorweisen, allen voran das bayrische Ebersberg.
Starnberg bleibt Spitzenreiter.Den höchsten Pro-Kopf-Index für 2008 weist wie in den letzten Jahren der Landkreis Starnberg in Bayern auf. Mit einem Index von 160,1 liegt die Kaufkraft dort 60,1% über dem Bundesdurchschnitt. Der Landkreis verbesserte sich seit 2003 damit um 17,2 Prozentpunkte. Auch auf den Plätzen 2 und 3 gibt es gegenüber 2007 und 2006 keine Veränderung. Hier halten sich der hessische Hoch-Taunus-Kreis und der Main-Taunus-Kreis, die beide mit einem Index von knapp unter 150 beinahe gleichauf liegen. Der bayerische Landkreis Ebersberg lag ebenfalls in den Vorjahren schon auf Platz 4. Im Vergleich zu 2003 verzeichnet er allerdings die höchste Steigerung aller Landkreise. Mit 145,5 liegt der Index hier heute 24,1 Punkte höher als noch vor fünf Jahren.
Die hohe Kaufkraftstärke der südlichen alten Bundesländer wird auch durch eine Betrachtung der 100 kaufkraftstärksten Kreise belegt. Unter ihnen befinden sich 39 Kreise aus Bayern und 21 aus Baden-Württemberg. 12 hessische, 8 rheinland-pfälzische und 9 nordrhein-westfälische Kreise repräsentieren die mittleren Bundesländer. Der Norden Deutschlands wird von 7 Kreisen aus Niedersachsen und 4 Kreisen aus Schleswig-Holstein vertreten. Ostdeutsche Kreise finden sich nicht in dieser Gruppe. Als erster ostdeutscher Kreis liegt der Kreis Potsdamm-Mittelmark mit einem Index von 93 auf Platz 261. Damit befindet er sich zwar schon um 32 Rangplätze höher als im Vorjahr, dennoch schafft er es nicht in die kaufkraftstärkere Hälfte der insgesamt 439 deutschen Kreise.
Unter den 40 Kreisen mit dem geringsten Index findet sich dagegen nur ein einziger westdeutscher Kreis: Bremerhaven mit einem Index von 76,2. Ansonsten finden sich hier jeweils 10 Kreise aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, 9 Kreise aus Sachsen, 6 Kreise aus Brandenburg und 5 aus Thüringen. Das Schlusslicht im Ranking der Kreise bildet der Landkreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Mit 68,6 liegt der Index dort 31,4% unter dem Bundesdurchschnitt. Die Steigerung im 1,3 Indexpunkte gegenüber 2003 reichte hier nicht, um den letzten Platz zu verlassen.
Grünwald ist seit Jahren die kaufkraftstärkste Gemeinde.Auf der Gemeindeebene zeigt sich ein sehr ähnliches Bild. Unter den 100 kaufkraftstärksten Gemeinden befinden sich 49 Gemeinden aus Bayern. Noch deutlicher wird die bayrische Dominanz bei Betrachtung der Spitzenplätze: Von den 20 kaufkraftstärksten Gemeinden liegen 11 in Bayern (Grünwald, Icking, Berg, Aystetten, Gräfelfing, Seeshaupt, Pullach i. Isartal, Krailling, Rottach-Egern, Zorneding und Vaterstetten) jeweils 4 in Hessen (Glashütten, Königsstein im Taunus, Bad Soden am Taunus und Kronberg im Taunus) und Schleswig-Holstein (Wohltorf, Krummesse, Großhansdorf und Aumühle) und 1 in Rheinland-Pfalz (Battenberg Pfalz). Der durchschnittliche Einwohner Grünwalds verfügt mit einem Nettoeinkommen von 50.145 EURO im Jahr über 2,64mal so viel Kaufkraft wie der durchschnittliche Einwohner Deutschlands.
München ist die kaufkraftstärkste Großstadt.Unter den 14 Städten ab einer halben Million Einwohner nimmt München wie im Vorjahr den Spitzenplatz ein. Mit einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Kaufkraft von 26.301 EURO und einem Index von 138,4 liegt es weit vor Städten wie Düsseldorf (durchschnittlich 22.226 EURO), Frankfurt am Main (durchschnittlich 21.820 EURO) und Stuttgart (durchschnittlich 21.645 EURO). Schlusslicht unter den Großstädten ist Dresden mit einem Index von 80,2 und einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 15.267 EURO.
BerechnungsbasisAls Marketingdienstleister für zahlreiche Kunden, unter anderem aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Telekommunikationsdienstleistungen und Einzelhandel, ermittelt Acxiom jährlich die regionalisierte Kaufkraft in Deutschland.
Die Berechnung basiert auf amtlich zur Verfügung gestellten Daten, z.B. von den Statistischen Bundesämtern. Die wichtigste Quelle sind die Informationen aus der Lohn- und Einkommsteuerstatistik. Aber auch Transferleistungen wie z.B. Renten und Pensionen, Arbeitslosengeld I und II bis hin zu vergleichsweise kleinen Beträgen aus BaFöG und Erziehungsgeld werden mit einbezogen. In aufwändigen Prüfverfahren werden die jeweils aktuellsten verfügbaren Daten plausibilisiert, anhand verschiedener Konjunkturprognosen für das aktuelle Jahr fortgeschrieben und zu einer Gesamtaussage integriert. Die zur Regionalisierung der Kaufkraft verwendeten Daten stammen aus Material, das vom Statistischen Bundesamt, den Statistischen Landesämtern und der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellt wird.